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Die EHU wurde geschlossen – Angriff auf die Freiheit der Lehre und Forschung in Belarus
Der
27.7.2004 wird als trauriger Tag in die Geschichte dieses Landes
eingehen. Nach etlichen Monaten der Auseinandersetzung zwischen
Bildungsministerium und der letzten freien Universität ist das Ende
gekommen. Wenige Tage zuvor erneuerte der belarussische
Bildungsminister seine bereits im Januar dieses Jahres erhobene
Rücktrittsforderung gegenüber Rektor Prof. Anatolij Michailow (siehe
unseren letzten Bericht):
Binnen zwei Tagen hätte sich die EHU-Leitung zu entscheiden. Der Senat,
die Studentenschaft und alle Mitarbeiter stellten sich erneut
demonstrativ hinter ihren Rektor. Zunächst war nicht klar, welche
Folgen eine (erneute) Ablehnung des Rücktritts zur Folge hätte. Die
Unsicherheit währte jedoch nicht lange. Die Staatsmacht griff mit aller
Härte durch. Der Mietvertrag für das Lehrgebäude in der Petrussija
Brovki, bezeichnenderweise im Eigentum der Präsidialverwaltung, wurde
kurzerhand bis zum 5.8.2004 – binnen weniger als drei Wochen –
gekündigt. Nachdem fest stand, dass die EHU bald ohne
Unterrichtsräume und ohne Platz für ihre Fakultäten da stehen würde,
wurde auch ohne Verzögerung gleich die erst am 30.4. erteilte
staatliche Lizenz entzogen – der letzte Streich gegen die EHU. Damit
scheint das Aus für diese einzigartige Universität in Belarus besiegelt
– doch die Rechnung wurde ohne den Wirt gemacht. Die EHU wird
weiterleben, da sind sich alle einig: Die vielen ausländischen Partner
und Sponsoren der EHU und nicht zuletzt die Lehrkräfte und Studenten
selbst. Es gibt Pläne, die EHU virtuell und im Ausland weiterzuführen.
In den nächsten Monaten müssen wichtige Entscheidungen getroffen werden. Die
Studenten und Studentinnen der EHU werden übergangsweise an staatliche
Universitäten verteilt – ein schwieriger Prozess, der noch mehrere
Wochen in Anspruch nehmen wird. Das Bildungsministerium scheint sich
darum offensichtlich nicht zu kümmern, wichtig war nur, die Studenten
und Mitarbeiter der EHU gesetzeswidrig auf die Straße zu setzen.
Für
das Institut für Deutschlandstudien kann die Schließung der EHU nur
eins bedeuten: Weitermachen! Wir haben mit tatkräftiger Unterstützung
der Deutschen Botschaft Minsk und des DAAD eine neue Bleibe in der
Internationalen Bildungs- und Begegnungsstätte (IBB) Minsk gefunden.
Von hier aus werden wir die früheren EHU-Studenten weiterbetreuen und
mit Ihnen zusammen den Geist der EHU aufrechterhalten. Wir lassen uns so schnell nicht unterkriegen!
Sie finden uns nun in der Internationalen Bildungs- und Begegnungsstätte (IBB) Minsk pr. Gasety Prawda 11 2200116 Minsk Email: info@ifd-ehu-minsk.de
Tel.: 00375-29-678 04 71 (vorläufig)
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