Institut für Deutschlandstudien (IfD) am Center for International Studies (CfiS)




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  Deutsche Woche in Minsk - Deutschland zum Anfassen
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Eine Gruppe junger Deutscher, die zum Teil schon seit Jahren in Belarus arbeiten, organisierten gemeinsam mit ihren belarussischen Kollegen, inzwischen zu Freunden geworden, eine Deutsche Woche. Ein umfassendes Kultur- und Politikprogramm, das sich um den Nationalfeiertag am 3. Oktober rankte. 10 Tage lang wurde informiert, ausgetauscht, debattiert, in Kleingruppen gearbeitet und gemeinsam gefeiert. Auf der Eröffnung im Haus der Freundschaft in Minsk stellten sich die Organisatoren vor: Dimitri und Tobias, ein Belarusse und ein Deutscher, die Freunde geworden sind. Dimitri Kletschko vertritt den Freundschaftsverein Belarus-Deutschland und ist Lehrstuhlleiter an der Fakultät für Internationale Beziehungen der Belarussischen Staatlichen Universität (BGU). Tobias Knubben, seit 2001 im Land, ist inzwischen amtierender Direktor des Instituts für Deutschlandstudien an der Europäischen Humanistischen Universität (EHU). Der Deutsche Botschafter und Schirmherr der Veranstaltung, Dr. Helmut Frick, eröffnete die Deutsche Woche feierlich und rief auf, die engen kulturellen Kontakte weiter auszubauen. Musikalisch begleitet wurde die Eröffnung von belarussischen Aussiedlern und Studierenden der Linguistischen Universität auf Deutsch und Belarussisch.
Einer der Höhepunkte war der 3. Oktober, an dem sich Studierende aller Minsker Universitäten mit den Anfängen und Hintergründen, aber auch mit den Problemen der deutschen Wiedervereinigung auseinandersetzten. Unterstützt wurden sie dabei von Zeitzeugen, die in einer Podiumsdiskussionen herausfanden, sich vor 1989 gegenseitig abgehört zu haben. Auf der einen Seite Holger Krämer, jetzt an der Deutschen Botschaft Minsk Presseattaché, damals in der Bundeswehr, wo er Russisch gelernt hat. Auf der anderen Seite Sergej Politschenkov, 1989 am Broken im Harz stationiert. Seine Deutschkenntnisse qualifizierten ihn für den Posten in der damaligen sowjetischen Armee. Unterschiedlich nahmen die Podiumsdiskussionsteilnehmenden den Mauerfall wahr. Dr. Edith Spielhagen, damals an der Ostberliner HU tätig, stellte eher den Gesamtzusammenhang der Entwicklungen im Vordergrund, Holger Krämer wollte es nicht glauben und Sergej Politschenkov wollte nach dem Ende seines Militärdienstes nur eines: nach Hause.
Im Laufe der Woche wurden die Möglichkeiten für Deutschlandinteressierte in Minsk aufgezeigt, Jugend- und Freiwilligenorganisationen stellten sich vor, der Deutsche Akademische Auslandsdienst (DAAD) informierte über Studienmöglichkeiten in Deutschland.
Aber auch neue Schritte auf dem Weg der Zusammenarbeit wurden gefeiert. An der EHU wurde der Studiengang „Deutschland- und Europastudien“ eröffnet: 50 Studierende der EHU werden zukünftig über ihren obligatorischen Deutschunterricht hinaus ein differenziertes Deutschlandbild erhalten, über die Europäische Integration diskutieren und Projektmanagement erlernen. Das Zertifikat, das sie vom Institut für Deutschlandstudien erhalten, soll in Zukunft zu einem in Deutschland anerkannten Bachelor-Abschluß ausgebaut werden.
Die BGU gründete einen Debattier-Club und der DAAD ein zentrales Informationszentrum.
Neben der Zukunft wurde aber auch die deutsch-belarussische Vergangenheit beleuchtet. In der frisch gegründeten Geschichtswerkstatt trafen sich erstmals Vertreter verschiedener Veteranenorganisationen sowie Überlebende des Minsker Ghettos. Die Anwesenheit der Frau des Botschafters zeigte die Wichtigkeit der Auseinandersetzung mit dem Leid, dass die Deutschen über das belarussische Volk gebracht haben. Jeder vierte Belarusse überlebte die deutsche Besatzung zwischen 1941 und 1944 nicht.
Knapp 30 verschiedene Veranstaltungen füllten das breit gefächerte Programm, das in den Deutschen Tag der Konrad-Adenauer-Stiftung an der EHU mündete. Workshops zu Themen wie Verbraucherschutz, Geschlechterrollen und Medien sollten den Auftakt des Engagements der Stiftung in Belarus bilden. Doch keiner der Referenten aus Polen und Deutschland landete in Minsk, der Flughafen Minsk-2 wurde kurzfristig aufgrund einer Militärübung für mehrere Stunden geschlossen. Improvisation und das hilfsbereite Einspringen von anderen Referenten ermöglichte die planmäßige Durchführung des Tages, der mit einem Vortrag des Europaparlamentariers Michael Gahler über die Beziehungen zwischen Belarus und der EU endete. Und dann wurde noch mal richtig gefeiert, im Novi Klub, einer den wenigen alternativen Clubs in Minsk, wo die belarussische Band „Drum Ecstasy“ auftrat und ein deutsch-belarussischer DJ auflegte.

Ina Werner
Fachlektorin der Robert Bosch Stiftung
am Institut für Deutschlandstudien
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